{"id":2680,"date":"2019-10-01T10:18:51","date_gmt":"2019-10-01T08:18:51","guid":{"rendered":"https:\/\/hoegy.de\/homepage\/?page_id=2680"},"modified":"2022-09-08T15:28:13","modified_gmt":"2022-09-08T13:28:13","slug":"stationen-in-seinem-leben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hoegy.de\/homepage\/das-hoegy\/hoegy-2020\/stationen-in-seinem-leben\/","title":{"rendered":"Stationen in seinem Leben"},"content":{"rendered":"<p>Am 20. M\u00e4rz 1770 wird Johann Christian Friedrich H\u00f6lderlin in Lauffen am Neckar im sogenannten &#8216;Klosterhof&#8217; als Sohn des Juristen Heinrich Friedrich H\u00f6lderlin und der Pfarrerstochter Johanna Christiana Heyn geboren. Beide Eltern entstammten damit der \u201eEhrbarkeit\u201c, der wohlhabenden b\u00fcrgerlichen Funktion\u00e4rsschicht im damaligen W\u00fcrttemberg. Der Vater, der den umfangreichen Besitz des ehemaligen Kloster in Lauffen verwaltet, stirbt schon sechsunddrei\u00dfigj\u00e4hrig an einem Schlaganfall im Jahre 1772. Einen Monat nach dem Tode des Vaters wird die Schwester Maria Eleonore Heinrike geboren.<\/p>\n<p>1774 entschlie\u00dft sich die Mutter, Johann Christoph Gock zu heiraten, und zieht nach N\u00fcrtingen. Gok erwirbt dort (wahrscheinlich mit dem Gelde seiner Frau) den Schweizerhof in der Neckarsteige, das fr\u00fchere Geb\u00e4ude unseres Gymnasiums.<\/p>\n<p>1776 wird Gok B\u00fcrgermeister von N\u00fcrtingen. H\u00f6lderlin besucht ab 1776 die N\u00fcrtinger Lateinschule und erh\u00e4lt au\u00dferdem Privatunterricht. In diesem Jahr wird auch sein Stiefbruder Karl Gok geboren. 1779 stirbt aber auch der Stiefvater Gok, nachdem er sich bei einem Hochwasser des Neckars &#8216;in Erf\u00fcllung seiner Berufspflichten&#8217; eine Brustkrankheit zugezogen hat. In der Familie H\u00f6lderlin\/Gok fehlt von nun an eine m\u00e4nnliche Bezugsperson. Finanziell ist sie gut abgesichert. Allerdings verwaltet H\u00f6lderlins Mutter zeit ihres Lebens sein Geld, so da\u00df er nie dar\u00fcber verf\u00fcgen kann.<\/p>\n<p>1784 wird H\u00f6lderlin in der N\u00fcrtinger Stadtkirche St. Laurentius konfirmiert. Im Herbst dieses Jahres beginnt dann die damals \u00fcbliche elit\u00e4re Schul- und sp\u00e4ter Universit\u00e4ts-laufbahn eines b\u00fcrgerlichen Schwaben: II\u00f6lderlin tritt in die evangelische Klosterschule in Denkendorf ein und 1786 in die Schule in Maulbronn. Er hat dort seine erste Liebschaft und beginnt auch zu dichten. Im Herbst 1788 bezieht er dann das T\u00fcbinger Stift und mu\u00df Philosophie und Theologie studieren. W\u00e4hrend seiner Universit\u00e4tszeit (von 1788-1793) entstehen &#8211; unter dem Einflu\u00df von Schillers und Klopstocks Lyrik &#8211; die T\u00fcbinger Hymnen, 1792\/93 werden die ersten Dichtungen gedruckt. Es ist die Zeit der Franz\u00f6sischen Revolution, deren Verlauf von den T\u00fcbinger Stiftlern mit gr\u00f6\u00dftem Interesse und mit gr\u00f6\u00dfter Begeisterung verfolgt wird. H\u00f6lderlins Zimmergenossen sind die sp\u00e4teren Philosophen Hegel und der ihm schon aus N\u00fcrtingen bekannte Schelling. Kants Philosophie wird begeistert aufgenommen. Man bedenke, da\u00df die erste Auflage der `Kritik der reinen Vernunft&#8217; 1781, die &#8216;Kritik der praktischen Vernunft&#8217; 1788 und die &#8216;Kritik der Urteilskraft&#8217; erst 1790 erschienen waren. Eine Revolution findet damit bei den Studenten im philosophischen Denken statt. Am 14. Juli 1794 sollen auf einer Wiese vor T\u00fcbingen die Stiftler einen Freiheitsbaum errichtet haben. Dabei waren wohl auch Hegel, Schelling und H\u00f6lderlin, der jedoch Partei f\u00fcr die Girondisten und nicht die Jakobiner ergriff.<\/p>\n<p>Nach seinem theologischen Abschlu\u00dfexamen unternimmt H\u00f6lderlin alles, um nicht Pfarrer werden zu m\u00fcssen. So tritt er durch Vermittlung Schillers Ende Dezember 1794 eine Hofmeisterstelle in Waltershausen-Grabfeld bei Schillers Freundin Charlotte von Kalb an: Er soll deren Sohn Fritz, ein \u00e4u\u00dferst schwieriges Kind, erziehen. In Waltershausen entsteht der erste Entwurf zu seinem Roman \u201eHyperion\u201c, der in Schillers Zeitschrift \u201eThalia\u201c abgedruckt wird.<\/p>\n<p>1794 geht H\u00f6lderlin mit seinem immer schwieriger werdenden Z\u00f6gling nach Jena. Dort hat er zu Schiller relativ engen Kontakt, begegnet dort auch Goethe, vor allem ist er jedoch von dem Philosophen Fichte fasziniert. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Weimar gibt H\u00f6lderlin die Hofmeisterstelle Anfang 1795 auf. verl\u00e4sst aber auch Jena Ende Mai und kehrt nach N\u00fcrtingen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Durch die Vermittlung seines Freundes Isaac von Sinclair erh\u00e4lt H\u00f6lderlin eine neue Hofmeisterstelle im Haus des reichen Frankfurter Bankiers Gontard, im sogenannten &#8216;Wei\u00dfen Hirsch&#8217;, die er Ende Dezember 1995 antritt. Die Frau Gontards, Susette Gontard, wird dann in den n\u00e4chsten Jahren H\u00f6lderlins Diotima. Als im weiteren Verlauf der Franz\u00f6sischen Revolution franz\u00f6sische Truppen in Hessen, der Pfalz und in W\u00fcrttemberg einfallen, fl\u00fcchtet die Familie Gontard ohne den Hausherrn nach Kassel und Bad Driburg. Der Schriftsteller Heinse und auch H\u00f6lderlin sind dabei, und von dieser Zeit an ist H\u00f6lderlins Verh\u00e4ltnis zu Susette Gontard sehr intensiv. 1797 erscheint der erste Band des \u201eHyperion\u201c. Im September 1798 kommt es zum Eklat mit Gontard; H\u00f6lderlin verl\u00e4sst Frankfurt und siedelt nach Homburg vor der H\u00f6he um, wo ihm sein Freund Isaac von Sinclair eine Unterkunft besorgt.<\/p>\n<p>In Homburg arbeitet H\u00f6lderlin an dem Drama \u201eEmpedokles\u201c ; er hat in dieser Zeit nur ganz heimliche fl\u00fcchtige Kontakte zu Susette Gontard. Den zweiten Band des \u201eHyperions\u201c schickt er ihr mit pers\u00f6nlicher Widmung zu. Als sich auch die Pl\u00e4ne zerschlagen, der Herausgeber einer Literaturzeitschrift zu werden, kehrt er im Juni 1800 nach N\u00fcrtingen zur\u00fcck. Im Sommer ist er dann einige Zeit bei dem Kaufmann Landauer in Stuttgart und immer wieder auch in N\u00fcrtingen. 1800 entstehen viele der bekanntesten Gedichte. Anfang 1801 tritt er dann eine Hofmeisterstelle bei dem Kaufmann Gonzenbach in Hauptwil in der Schweiz an. Im April wird ihm gek\u00fcndigt. H\u00f6lderlin kehrt nach N\u00fcrtingen zur\u00fcck und versucht nun, eine Dozentenstelle f\u00fcr Griechisch an der Universit\u00e4t Jena zu erlangen. Als er von Schiller nichts h\u00f6rt, bricht er im Dezember 1801 zu Fu\u00df nach Bordeaux auf, um dort wieder eine Hofmeisterstelle im Haus des Konsuls Meyer anzutreten. Aber schon Mitte Juni\/ Anfang Juli 1802 trifft H\u00f6lderlin verst\u00f6rt und verwirrt in Stuttgart und N\u00fcrtingen ein. Im Juni 1802 ist Susette Gontard an den R\u00f6teln gestorben. Bis heute ist nicht klar, welche Bedeutung dieses Faktum f\u00fcr H\u00f6lderlin hatte.<\/p>\n<p>Von 1802 bis 1804 lebt H\u00f6lderlin haupts\u00e4chlich wieder in N\u00fcrtingen. Er arbeitet hier an den Sophokles-\u00dcbersetzungen. 1804 holt ihn Sinclair zur\u00fcck nach Homburg, wo er zum Schein als Bibliothekar an der Bibliothek des Landgrafen von Hessen-Homburg angestellt wird. In Homburg wird Sinclair 1805 aus politischen Gr\u00fcnden verhaftet und nach W\u00fcrttemberg ausgeliefert, nachdem er beim Kurf\u00fcrsten von W\u00fcrttemberg als F\u00fchrer eines geplanten Staatsstreichs denunziert worden ist, dann jedoch aus der Haft entlassen und in Homburg wieder angestellt. Im August 1806, nachdem die Landgrafschaft Hessen-Homburg nicht mehr existiert, kann er H\u00f6lderlin nicht mehr halten. H\u00f6lderlin wird im September im Auftrag der Mutter gewaltsam nach T\u00fcbingen in die psychiatrische Anstalt des Professors Autenrieth verbracht.<\/p>\n<p>1807 wird er als unheilbar entlassen. Der 35-j\u00e4hrige Schreinermeister Ernst Zimmer nimmt ihn auf, danach lebt H\u00f6lderlin 36 Jahre lang im heutigen H\u00f6lderlin-Turm. Nach Zimmers Tod wird er von dessen Tochter Lotte weitergepflegt. \u00dcber den Mann, der nicht mehr H\u00f6lderlin sein will, sondern ein Mann mit dem Namen Scardanelli, \u00fcbernimmt die Stadt N\u00fcrtingen nach dem Tode der Mutter die Vormundschaft. Aus diesem Grunde lagern auch die bis vor kurzem unbekannten Pflegschaftsakten hier in N\u00fcrtingen. Am 7. Juni, nachts um 11 Uhr, stirbt Friedrich H\u00f6lderlin und wird am 10. Juni 1843 auf dem T\u00fcbinger Friedhof bestattet.<\/p>\n<p>Ingrid Jakobi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. M\u00e4rz 1770 wird Johann Christian Friedrich H\u00f6lderlin in Lauffen am Neckar im sogenannten &#8216;Klosterhof&#8217; als Sohn des Juristen Heinrich Friedrich H\u00f6lderlin und der Pfarrerstochter Johanna Christiana Heyn geboren. Beide Eltern entstammten damit der \u201eEhrbarkeit\u201c, der wohlhabenden b\u00fcrgerlichen Funktion\u00e4rsschicht im damaligen W\u00fcrttemberg. 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