Gibt es eine politische Frage, die junge Menschen aktuell so sehr beschäftigt, wie die Frage nach einer Wehrpflicht? Kommt sie? Und wenn ja: Wann und für wen? Am 08. Juli, so hofften die Anwesenden, würde es Antworten auf diese und weitere Fragen geben. Für den Friedenstag lud die Organisation Mayors For Peace zur Podiumsdiskussion in der Stadthalle K3N mit den Gästen Frederik Ströhlein, Jugendoffizier der Bundeswehr, Clara Meier, Vertreterin der DFG-VK, Reza Schwarz, Mitglied der Informationsstelle Militarisierung e. V. Tübingen, und Wencke Scheyka vom THW.
Rund 200 Schüler/-innen von verschiedenen Nürtinger Schulen waren nach dem Hissen der Mayors-For-Peace-Fahne mit Oberbürgermeister Johannes Fridrich um 10:30 Uhr in der Stadthalle und es wurde schnell offensichtlich, dass das Interesse an der Fragestellung in den Jahrgängen 2008, 2009 und 2010 groß ist. Jedoch zeigte sich auch, dass das Thema „Frieden sichern- aber wie?“ eigentlich viel zu umfangreich ist, um innerhalb von zwei Stunden ausführlich behandelt werden zu können. Die vielen Fragen aus dem Publikum wechselten so stark und schnell zwischen freiwilligem Engagement, Friedenspolitik und Bundeswehr, dass für ausführliche Diskussionen oder auch Faktenchecks keine Zeit blieb, obwohl beides an einigen Stellen wohl sinnvoll gewesen wäre.
Wie relevant die Fragen rund um den Wehrdienst für die demnächst volljährigen Jahrgänge ist, zeigte sich an den vielen Fragen aus dem Publikum. Dabei stellte sich zur Überraschung aller – inklusive der Organisatoren- heraus, dass niemand von den Diskussionsteilnehmern für eine Wehrpflicht war. Sogar Bundeswehroffizier Frederik Ströhlein erklärte, nicht für jeden 18- Jährigen sei die Bundeswehr der richtige Arbeitgeber und für die Armee sei es nicht wirklich hilfreich, unmotivierte Soldat/-innen zu haben.
Immer wieder trudelten neue Fragen bei dem Moderatenteam ein: Ob sich Frauen Sorgen vor sexistischen Übergriffen machen müssen? Ob es Frieden ohne Waffen geben könne? Nicht jede dieser Fragen konnte letztendlich so gut beantwortet werden, wie es wünschenswert gewesen wäre. Dafür war die thematische Bandbreite zu groß und die Zeit zu knapp. Nichtsdestotrotz blieb danach für fast alle Anwesenden ein echter Erkenntnisgewinn. Besonders Frederik Ströhlein und Clara Meier hatten immer wieder kontroverse Meinungen und sorgten für gute Diskussionen, aus denen viele Informationen gezogen werden konnten.
Schließlich kündigte Johannes Fridrich auch noch an, dass es in Zukunft – sofern keine Hindernisse auftreten – jedes Jahr eine solche Veranstaltung geben soll. Das Votum der Zuhörer/-innen war jedenfalls eindeutig: Fast 80% der Eingeladenen gaben in einer Umfrage zum Abschluss an, sich in Zukunft mehr solcher Veranstaltungen zu wünschen. Das zeigt wohl noch einmal, dass die Frage nach der Wehrpflicht zu den relevantesten politischen Fragen für die demnächst Volljährigen gehört.