Wenn „Günter Fass“ nach vorne fliegt…

Unsere Fünftklässler beim Sicherheitstraining „Bus fahren – aber sicher!“ mit der Polizei (25. September 2020)

Von Katja Kieffer

Wie schwer ist eigentlich so ein Bus? Die Schülerinnen und Schüler der 5b geben ihre Tipps ab: „5,4 Tonnen“, meint eine, „10 Tonnen“ ein anderer. „Da müsst ihr aber noch was drauflegen“, meint Michael Neubrand von der Verkehrsprävention der Polizei Reutlingen. In Elefanten gerechnet wiegt ein komplett leerer Bus nämlich mehr zwei Elefanten (für die Biologen: die afrikanischen wohlgemerkt), vollbesetzt hingegen fast vier Elefanten (22 Tonnen). Und um zu zeigen, dass alleine schon einer der sechs Reifen eines Busses sein Gewicht mitbringt, dürfen alle SchülerInnen den Reifen einmal aufstellen. Das fällt nicht jedem leicht – immerhin wiegt der Reifen ohneFelge mehr als so ein Fünftklässler selber. 


Dass Drängeln beim Einsteigen in den Bus sich nicht so toll anfühlt, wissen eigentlich alle. Aber dass es viel schneller geht, wenn man geordnet nacheinander den Bus besteigt und gleich nach hinten durchgeht, das merkt die 5a gleich im ersten Selbstversuch. Beim Aussteigen allerdings ist der eigentlich wichtige Blick nach rechts und links, über den vorher noch gesprochen wurde, ein wenig unter die Räder gekommen.

Immerhin passiert im Zusammenhang mit Bussen fast ein Fünftel der Unfälle beim Ein- und Aussteigen, etwas weniger beim Warten an der Haltstelle. 64 von 100 Unfällen finden konkret im Schulbus selbst statt, weil SchülerInnen nicht sicher saßen oder standen.

Auch im Bus erfahren die SchülerInnen Neues. „Stellt euch vor, es gibt einen Unfall und der Busfahrer kann den Knopf für die Tür nicht mehr öffnen. Wie kommt ihr dann raus?“ Einige zeigen wild auf die kleinen roten Nothammer und rufen „Scheibe einschlagen!“. „Viel einfacher“, lacht Busfahrer Sven Müller vom Busunternehmen Bader aus Grafenberg, der uns den Bus samt Fahrer heute kostenlos zur Verfügung stellt. „Schaut mal hier an der Tür! Dreh mal!“, sagt er zu einem Schüler, der direkt an der hinteren Türe sitzt. Dieser dreht, es gibt ein lautes Pffffff – aber mehr passiert nicht. Und jetzt? „Einfach die Türen mit der Hand kräftig aufdrücken“, erklärt Müller und ein Schüler darf das gleich ausprobieren. Die Scheiben dürfen im Notfall natürlich auch eingeschlagen werden; dann aber auf jeden Fall den Kopf wegdrehen, damit die Millionen kleiner Glasstückchen, in die die große Seitenscheibe dann zerfällt, nicht im Gesicht landen. Und für den Fall, dass der Bus auf der Seite liegt, darf natürlich der Notausstieg übers Dach benutzt werden.

Praxis gibt es dann wieder jetzt, mit dem neuen Klassenkameraden „Günter Fass“. Es ist eine blaue Regentonne, die ungesichert in der Mitte des Busses steht, und so beladen wurde, dass sie etwa so schwer wie ein Schüler ist. Alle schnallen sich an, denn nun fährt Sven Müller los. Nach einer Runde um die Busschleife biegt er unten wieder ein und fährt gemütlich weiter, bis – alle warten schon ganz gespannt darauf – er plötzlich eine Vollbremsung macht! Alle schreien kurz erschrocken und begeistert auf, während Günter Fass drei Meter den Gang nach vorne rutscht. „Das sollte mit euch nicht passieren“, warnt Neubrands Kollege, Polizist Carsten Berger, und hat damit eindrucksvoll gezeigt, was schon bei nur 15 km/h passieren kann, wenn ein Fahrgast, etwa weil er auf dem Handy tippt, sich beim Fahren nicht festhält.

Beim im wahrsten Sinne des Wortes spritzigen Abschluss zeigt Busfahrer Müller nochmals mit fahrerischem Feingefühl, was sein mehr als zwei Elefanten schwerer Bus mit Leichtigkeit kann: einen prall gefüllten Wasserkanister überfahren. Spätestens jetzt wird klar: Unter diese Räder will man lieber nicht kommen!

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