Gespräche mit Ehemaligen – ein neues Projekt zur Berufsorientierung am HöGy

Wie fühlt es sich an, nach dem Abitur ein halbes Jahr auf eigene Faust in Australien zu verbringen? Auf was muss man sich bei den ersten längeren Praktika einstellen, was ist im Studium oder in der Ausbildung anders als gedacht und ist es in WGs wirklich immer so dreckig, wie man hört?

Solche und andere Fragen beantworteten am HöGy im Rahmen eines Projektes für die Kursstufe 1 nicht etwa Berufsberater, sondern Ehemalige der Schule, die schon seit ein paar Jahren ihr Abitur in der Tasche haben. „Alumni“, heißen sie im Fachjargon. Sechzehn von ihnen kamen an ihre alte Wirkungsstätte, um von ihrem Alltag nach dem Abschluss zu erzählen und vor allem, um viele Fragen zu beantworten.

Die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe konnten sich, je nach Vorlieben und Interessen, bereits im Vorfeld in kleinen Gruppen anmelden. Die Palette der Themen umfasste die Bereiche Ausbildung, Studium, FSJ, Reisen, aber auch ganz praktisch Fragen zu Jobs, zur Finanzierung und zum Wohnen. Viele unterschiedliche Biographien boten einen abwechslungsreichen Rundumschlag aus dem Fundus „alter“ HöGyanerinnen und HöGyaner: von Jura und BWL über Architektur und Sonderpädagogik, Grafikdesign und Biotechnologie, Sportmanagement und Theater bis hin zur Ausbildung als Rettungssanitäter oder Elektriker.

Außerdem ging es darum, wie man im Dschungel unterschiedlichster Angebote den passenden Weg findet: Fachhochschule oder Universität? Ausbildung oder duales Studium? Praktikant oder Werkstudent?

Viele berichteten über ihre Reisen nach der Schule, die zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zumindest gedanklich schon fest gebucht haben. Wie ist das Leben als Au Pair in den USA, als Backpacker in Neuseeland? Hier gab es ganz viele praktische Tipps aus erster Hand. Auch das Freiwillige Soziale Jahr kam nicht zu kurz, die Ehemaligen erzählten von ihrer Arbeit mit autistischen Kindern an speziellen Einrichtungen, mit Hochbegabten am Landesgymnasium oder von ihrer Tätigkeit beim Deutschen Roten Kreuz.

„Das klingt alles natürlich viel besser, wenn unsere Gesprächspartner nicht deutlich älter sind als wir“, kommentierte ein Schüler seine Erfahrungen.

Bekanntlich sind Theorie und Praxis oft grundverschieden. Davon können die Ehemaligen ein Lied singen. Dieses wurde dann geradezu mehrstimmig: nach festgelegten Zeitintervallen erscholl eine Glocke, die neue Gruppen zusammenbrachte: weitere Erfahrungen, Fragen, Antworten. Das Ganze viermal.

Eingebettet in die Praktika in Klasse 10 sowie zahlreiche andere Module in der Kursstufe bereichert das Alumni-Projekt am HöGy von nun an das wichtige Feld der Berufsorientierung.

Die ersten Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler waren ausgesprochen positiv. Und die Ehemaligen? Auch sie haben durch die Gespräche profitiert, die ihnen viel Spaß bereiteten. „Hätten wir sowas nur in unserer Schulzeit gehabt!“, sagte eine von ihnen fast wehmütig. Jedenfalls haben die meisten schon für nächstes Jahr wieder zugesagt. Und ganz nebenbei können die Ehemaligen dabei einen Blick in die „alte“, allerdings nun runderneuerte Schule werfen.

Peter Witzmann