Zwei einzigARTige Kulinarien

Am 14. und 15. Februar fanden am Hölderlin-Gymnasium im Rahmen des Jubiläumsprogramms die beiden Kulinarien unter dem Motto „einzigARTig Hölderlin“ statt und widmeten sich ganz der Kunst, dem Genuss und dem Namenspatronen Friedrich Hölderlin.

Im Doppeljubiläumsjahr – 250 Jahre Friedrich Hölderlin und 50 Jahre Hölderlin-Gymnasium – lud die Schreibwerkstatt und die Koch-AG zu einem kulinarisch-literarischen Abend in die Mensa des HöGy ein. Rund 40 Gäste je Abend folgten der Einladung und genossen ein Programm, das sich ganz der Kunst und den Künstlern selbst widmete. Umrahmt wurde diese anspruchsvolle künstlerische Darbietung von einem ebenso kreativem wie leckerem Vier-Gänge-Menü.

Bereits beim Betreten der Mensa konnten die Gäste sich auf den besonderen Abend einstimmen, denn die sonst in Reihe stehenden Tische waren in einem Halbkreis zur Bühne ausgerichtet und ansprechend dekoriert und eingedeckt. Auch die unter der Leitung von Frau Annette Kliss angefertigten Kunstprojekte luden zur Auseinandersetzung mit dem Namenspatron ein.

Nach einer kurzen Begrüßungsrede von Frau Jessica Lehmann, die darin nicht nur das einzigartige Leben und Wirken des Dichters Friedrich Hölderlins darlegte, sondern vor allem auf die Einzigartigkeit ihrer fast 50 mitwirkenden Schüler*innen an diesen Abenden verwies, stellte Frau Annette Kliss den gespannt zuhörenden Anwesenden ihr Kunstprojekt vor, welches sich ebenfalls mit Friedrich Hölderlin auseinandersetzt, vor allem aber die Licht- und Schattenseiten in den Fokus nimmt. Bevor der erste Gang von den „Kochlöffeln“, welche sich aus den Fünft- bis Siebtklässlern der Koch-AG zusammensetzt, serviert wurde, spielte Helena Jooss, wie vor jedem Gang, auf dem Flügel ein einstimmendes Musikstück.

Während die kleinen Köche an diesem Abend den Service übernahmen und ihre Gäste zu deren vollsten Zufriedenheit umsorgten, kochten die großen „Schneebesen“ ein durchaus anspruchsvolles Vier-Gänge-Menü. Damit bewiesen sie, dass sie in der Koch-AG einige Fähigkeiten erworben hatten und konnten durch ihre hervorragende Organisation und unter vollem Einsatz mit allen Gerichten überzeugen. Angefangen bei drei herzhaften Aufstrichen über eine klassisch schwäbische Flädlesuppe und einem schmackhaften Hauptgang aus Pfirsich-Geschnetzeltem auf Nudelbett mit Preiselbeersahne bis hin zu einem selbstgemachten Zartbitterschokoladenpudding und einem verführerischen Himbeerschichtdessert.

Das Zentrum des Abends bildeten die literarischen Darbietungen der Schreibwerkstatt, die mit der Rezitation einiger Hölderlin-Gedichte, Gedichten über Kunst und eigenen Werken die Kunst selbst in den Fokus nahmen und mit eigenen Akzenten in der Performance versahen. So eröffnete Gizem Turunc das Programm mit der „Feier des Wortes“ von Axel Kutsch und rief die Zuhörer auf, sich dem Gedicht mit angemessener Haltung zu nähern. Fabienne Grigat, Baftisha Berisa und Jette Kopschinski hingegen wanden sich mit einem Gedicht Friedrich Hölderlins „An die jungen Dichter“. Ceyda Yüksel wiederum lud das Publikum unter anderem zu einem Gedankenspaziergang ein, wohingegen Luca Swoboda und Nicolas Herden zunächst in ihren Texten auf die Bedeutung der Kunst und die Freiheit des Künstlers hinwiesen, dann jedoch auch Hölderlins Gedicht „Lebenslauf“ in Szene setzten und die darin hervorstehenden Licht- und Schattenseiten des Lebens klar verdeutlichten. Constantin Demattio wies die Anwesenden auf das Bewusstsein eines jeden benutzten Wortes und die Macht der Sprache hin, bevor er später das Sonett 18 von William Shakespeare gefühlvoll vortrug und schließlich in seinem eigenen Text „Blau mit Streifen“ seine Gedanken zur modernen Kunst darbot. Die Highlights bildeten klar die von den Schülern selbst verfassten Texte.

So widmete sich das von Jette Kopschinski geschriebene und von Ceyda Yüksel vorgetragene Gedicht „Der Kampf“ der Zerrissenheit der Menschen und gab einen Einblick in die komplexe Gefühlswelt, die das lyrische Ich zwar in Ihrer Dunkelheit erkannt hat, jedoch keinen Ausweg bieten kann. Einen weiteren beeindruckenden Text steuerte Lara Marie Schmid bei, der ausgehend von Friedrich Hölderlins Gedicht „Menschenbeifall“ die Einzigartigkeit jedes Menschen hervorhebt und dazu aufruft, zu genau dieser zu stehen und nicht der grauen Masse unreflektiert zu folgen.

Insgesamt bot der Abend einen tiefen Zugang zu Friedrich Hölderlin und seinen geistigen Erben. Ganz in diesem Sinne schloss der Abend mit einem von Frau Annette Kliss eingebrachten Film, der Friedrich Hölderlins Verse und Denken in Szene setzte, sowie einer gemeinsamen Performance der gesamten Schreibwerkstatt zu Wilhelm Buschs Gedicht „Wie wohl ist dem, der dann und wann“, auf welches  eine kurze Dankes- und Abschiedsrede für die mitwirkenden Schüler*innen folgte, bevor sich diese den mehr als verdienten Beifall vom begeisterten Publikum abholten.

Die Kulinarien stellen damit rundum einen Erfolg dar und stimmen auf die große Geburtstags-Revue am 20.März 2020 im K3N in Nürtingen ein.

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